Anthony Powell: Venusberg
Anthony Powell:
»Venusberg«
Roman
Aus dem Englischen übersetzt von Heinz Feldmann
2021, geb., fadengeheftet, Lesebändchen, 208 S.
€ 22 [D] / € 22,70 [A] / sFr 29,90
ISBN 978-3-96160-055-7
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Buch

Lushington, ein »ernsthafter junger Mann mit einem rosaweißen Gesicht«, wird als Sonderkorrespondent einer Londoner Tageszeitung in den 1930er Jahren in ein neugegründetes Land an der Ostseeküste geschickt, »dessen Namen er sich nie zu merken vermochte«. Von der dort herrschenden instabilen politischen Lage erhofft er sich Inspiration für seine literarischen Vorhaben — und Ablenkung nach einer gescheiterten Liebesbeziehung. Doch die frivole Atmosphäre der von Partys geprägten Hauptstadt des Landes hält Lushington vom Schreiben ab und bringt ihn in Kontakt mit einigen entschieden exzentrischen Persönlichkeiten — dem unheimlichen Kammerdiener Pope, den seine Verwandten immer »den Herzog« nennen, dem protzigen Grafen Bobel, der Gesichtscreme verkauft und nach Brillantine duftet, oder der höchst mysteriösen Frau Mavrin —, die Lushington und den Leser in ein ironisches und dabei stets gepflegtes Gespräch verwickeln.

Autor

Anthony Powell (1905—2000) besuchte das Eton College, studierte in Oxford und heiratete eine Adlige. Er arbeitete als Verlagslektor, schrieb Drehbücher und Beiträge für britische Tageszeitungen, leitete den Literaturteil des Magazins »Punch« und war Autor zahlreicher Romane. Jene gesellschaftliche Oberschicht Großbritanniens, der er selbst angehörte, porträtierte er in seinem zwölfbändigen Romanzyklus »Ein Tanz zur Musik der Zeit«. Während seine Altersgenossen und Freunde Evelyn Waugh, Graham Greene und George Orwell sich auch im deutschsprachigen Raum bis heute großer Popularität erfreuen, ist Anthony Powell hierzulande noch zu entdecken.

Ebenfalls lieferbar:
»Die Ziellosen« (2021)
»Ein Tanz zur Musik der Zeit« (2015–2018)

Auszug

Es war ein kleines Schiff. Es roch nach Kokosnussöl und sollte auf der Reise in Kopenhagen einen Zwischenstopp einlegen. Der Zeitvertreib an Bord beschränkte sich auf Lesen in seiner Koje oder Gespräche mit Graf Scherbatscheff im sogenannten Rauchsalon und während ihrer Spaziergänge an Deck. Das Letztere war in der Tat angenehmer, wenn die beiden jungen Dänen von der Universität Manchester, die am Radio interessiert waren, sich mit ihrem Freund, dem deutschen Handelsreisenden, im Rauchsalon aufhielten. Der etwa dreißigjährige Graf Scherbatscheff hatte einen blonden Schnurrbart und trug, da er in Belgien Ingenieurswissenschaften studiert hatte, manchmal eine Baskenmütze mit drei verschiedenfarbigen Abzeichen darauf, von denen jedes etwas Definitives in seinem Leben repräsentierte. Er und Lushington lehnten über die Reling des Schiffes und diskutierten über Spesen und ähnliche Dinge.
Die Nordsee, eine weite, mit Kerben übersäte Eisenblechfläche, wogte leicht. Der ganze Himmel war grau. Graf Scherbatscheff, der irgendwelche Magenprobleme hatte, klopfte sich vorne auf seinen Mantel. Er sagte: »Mein Großonkel, zum Beispiel, war ein sehr extravaganter Mann. Er pflegte nach der Oper Souper-Partys zu geben. Auf diesen Partys spendierte er den Damen vom Ballett häufig Champagnerbäder. Zigeuner und solche Leute versetzte er durch sein Benehmen in Erstaunen.«
»Oft wohl das einzige Bad, das sie je hatten?«
»Es sollte mich nicht wundern. Überdies gaben wir in Russland vor der Revolution immer hohe Trinkgelder. Es war absurd. Es war unnötig. Ich kann Ihnen keine Vorstellung davon geben, wie hoch sie waren. Es war wirklich lächerlich. Ich erinnere mich, dass ich als Schuljunge in Jalta alleine zum Dinner in ein Restaurant gegangen bin und dem Kellner ein ungeheuer hohes Trinkgeld gegeben habe. Viel zu viel.«

Pressestimmen

»Hier erscheint eine ganze Galerie von komischen, subalternen Charakteren
(The Times Literary Supplement)

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